#Blick in die Vergangenheit – Was bedeuten Bücher für mich?

Was gibt es besseres, als ein neues Buch in der Mitte aufzuschlagen, seine Nase ganz tief in die Seiten zu stecken und ganz tief einzuatmen? In diesem Geruch schwingt so viel Phantasie, so viele Versprechen und so viele Ideen. Ich liebe es, nicht zu wissen, was die einzelnen Seiten für mich bereithalten. Wie sich die Geschichte entwickeln wird und ob es dem entspricht, was ich von dem Buch erwarte.

Ja, ich gestehe. Ich habe eine unglaubliche Affinität zu Büchern und würde mich selbst als süchtig bezeichnen – wer hat Lust einen Club der „Anonymen Buchverrückten“ zu gründen? Ich könnte mir niemals ein Leben ohne Bücher, ohne Lesen vorstellen. Mit Büchern verbinde ich nicht nur Stunden des Abtauchens in völlig Neue und aufregende Welten sondern auch Momente der tiefen Verbundenheit mit meiner Familie. Wir hatten früher immer ein Ritual wenn mein Bruder und ich ins Bett mussten. Nach dem Zähneputzen, waschen und umziehen, sind wir unter die kalten Bettdecken im Zimmer unserer Eltern geschlüpft und haben darauf gewartet, die Schritte von unserem Vater auf der Treppe zu hören. Man kann ihn und Mama nämlich sehr gut unterscheiden. Mein Vater geht immer mit sehr viel Schwung und Elan die einzelnen Treppenstufen an, während meine Mama eher wie eine Ballerina von Treppenabsatz zu Treppenabsatz tanzt. Wenn er dann ins Zimmer kommt, greift er in das kleine Bücherregal und zieht das Buch heraus, dass wir seit ein paar Tagen lesen. Es ist unser Lieblingsbuch, wir haben es bestimmt schon an die 10 Mal gelesen und können es schon auswendig. Es ist die „Kinder aus Bullerbü“, von Astrid Lindgren. Er legt sich zwischen uns und wir kuscheln uns von links und rechts an ihn. Er räuspert sich und wir haben beide Bauchkribbeln, denn gleich geht es los. Gleich erleben Lisa, Inga, Britta, Lasse, Bosse und Ole neue Abenteuer. Was wird es heute sein? Mit tiefer, angenehmer Stimme fängt mein Vater an zu lesen und wir vergessen die Zeit. Manchmal liest er so lange, dass er zwischendurch anfängt einzuschlafen, weil sein Arbeitstag so lang war. Dann wird er immer leiser und fängt plötzlich an zu schnarchen. Dann knuffen wir ihn in die Seite und er schreckt auf und liest eine Seite weiter bis er wieder einschläft. Oft habe ich dann das Kapitel meinem Bruder zu Ende vorgelesen oder aber wir machen das Licht aus und schlafen neben ihm ein. Ich habe diese Abende geliebt. Sie waren neben vielen anderen Dingen in meiner Kindheit das beste was ich erleben durfte. Sie haben mir unfassbar viel Geborgenheit gegeben und in mir schon von Anfang an, auch wenn ich noch gar nicht lesen konnte, den Wunsch geweckt diese komischen Hieroglyphen irgendwann selber zu entziffern. Irgendwann die Schätze die sie verbergen selber aus zu graben und mich in ihnen zu verlieren. Bücher sind für mich sichere Ankerpunkte, Häfen in die man einfahren kann, wenn alles um einen herum vielleicht sehr aufgerüttelt und stürmisch ist. Ich könnte mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen. Das wäre wie ein Leben ohne Lachen, Sonnenschein und meine Familie an meiner Seite. Das alles sind Dinge, die mich glücklich machen und sollte man sein Leben nicht mit diesen Dinge füllen? Ich habe lange gebraucht und bin eigentlich immer noch auf dem Weg dieses Glück tagtäglich in mein Leben zu lassen. Akzeptanz und Zufriedenheit sind Grundpfeiler eines schönen Lebens und viel zu oft schmeißen wir die Tür zu unserem Herzen vor ihnen zu und wundern uns dann, warum so vieles in unserem Leben nicht so funktioniert wie wir uns das wünschen. Es ist ein harter und steiniger Weg, den jeder von uns gehen muss. Natürlich fällt es manchen leichter als anderen, aber ich habe gelernt, das man so viel Kraft aus Niederschlägen ziehen kann und all diese Negativität in etwas Gutes umwandeln kann. Ich bin in meinem ganzen Leben schon sehr oft durch sehr chaotische und schwere Zeiten gegangen und ich bin mir sicher, wenn ich diese Zeiten nicht gehabt hätte, dann wäre ich jetzt nicht die Person, die ich heute bin. Natürlich wäre ich jemand anderes, aber ich bin froh das ich so bin wie ich bin. Mit all den Macken, mit all den Ängsten und schlechten Gedanken, mit all dem Wissen und Können und der inneren Positivität. Ich muss noch viel an mir arbeiten, aber hey, so ist das Leben, es ist kein Ponyhof oder wie Astrid Lindgren sagen würde:

„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

 

 

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