Mein Bücherregal – Rebecca Gablé

Findet ihr es auch so spannend, sich die Bücherregale von fremden Menschen anzuschauen? Zu sehen, was für einen Geschmack die Person hat, in welchem Genre sie am meisten daheim ist und vielleicht sind auch ein, zwei Bücher dabei die total aus dem Rahmen fallen. Vielleicht sind das irgendwelche Karteileichen, die mal von jemandem geschenkt wurden, der keine Ahnung hat, wo die eigentlichen Interessen dieser Person liegen oder aber es sind Bücher, die die Person so umgehauen haben, dass sie einfach nicht anders konnte, als fernab ihrer gewohnten Gewässer zu fahren.

Als Ich damals angefangen habe, mich der Welt der „Erwachsenen-Literatur“ (natürlich in meinen Augen) zu öffnen, wurde ich sehr geprägt durch die Vorlieben meiner Mutter. Sie hatte zu dem damaligen Zeitpunkt ein unglaubliches Fabel für Mittelalterromane. „Die Nebel von Avalon„Die Säulen der Erde“ oder „Der Medicus“ waren solche dicken Welzer, die sie mir empfohlen hat. Ich muss gestehen, an diese Monster habe ich mich damals noch nicht heran getraut. Sie waren mir zu schwulstig und angestaubt. Die Art wie sie geschrieben waren, hat mich einfach nicht gereizt. Ich muss nämlich schon auf der ersten Seite eines Buches von dem Stil des Autors gefesselt sein. Ich finde auf den ersten paar Seiten entscheidet sich, ob man ein Buch beendet oder es nach 100 mickrigen Seiten zurück legt und es als Fehlkauf abstempelt und in den nächsten öffentlichen Bücherschrank bringt, damit vielleicht jemand anderes seinen Spaß damit hat. Nichts desto trotz habe ich sie auf meine Bucket-List gesetzt, weil ich ihnen eine Chance geben wollte. Und, Schande über mein Haupt, sie stehen noch immer dort, seit über 13 Jahren. Natürlich sind sie nicht mehr alleine, denn es tummeln sich noch zig andere Bücher neben ihnen, drängeln sie immer mal wieder weiter nach hinten, weil natürlich jeder denkt, sein Inhalt, seine Story ist viel größer und schöner als die aller anderen Bücher.

Aber gut, was war denn nun mein erstes Buch, dass ich in dem Genre gelesen habe? Es war „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz. Auch dieses Buch hatte meine Mutter vor mir gelesen und auch wenn sie meinte, es wäre vielleicht etwas verstörend, aufgrund seiner teilweise sehr brutalen Vergewaltigungsszenen, habe ich einfach angefangen zu lesen. Zu dem damaligen Zeitpunkt war ich sofort gefesselt und bin direkt in diese dunkle, gefährliche aber trotzdem in meinen Augen extrem romantische Zeit eingetaucht. Im Nachhinein und als ich ein paar weitere Autoren ausprobiert hatte, war mir klar, das Iny Lorentz nur die Spitze des Eisberges war. Die wirklichen Schätze liegen unter dem Wasser und durch Recherchen sowie Try and Error habe ich so einige Bücher gefunden, wo ich sagen würde – unbedingt lesen.

Seit dem Tag, wo ich die ersten Sätze „Der Wanderhure“ gelesen hatte, war es um mich geschehen. Ich liebe Mittelalterromane. Ich liebe es, mich in diese Zeit, die zwar grausam, schrecklich, kalt und dreckig war, zu entfliehen. Ich liebe diese romantische Vorstellung von Rittern und Edeldamen und ich liebe Geschichte. Wenn solch ein Roman wirklich gut recherchiert ist, dann lernt man mehr, als wenn man in sämtlichen Geschichtsstunden 100 % geistig anwesend gewesen wäre. Auch wenn es viele Autoren gibt, so habe ich für mich nur eine Handvoll gefunden, die mir in ihrem Stil, ihrer Art Dinge und Ereignisse zu schildern, den Figuren Leben einzuhauchen und meine Phantasie auf virtuose und atemberaubende Reisen zu schicken gefunden. In dieser Serie möchte ich euch meine Top-Autoren vorstellen und vielleicht dem ein oder anderen einen Anreiz geben.

Den Anfang macht meine absolute Lieblingsautorin Rebecca Gablé!

Ich glaube es ist kein Problem, wenn ich mich jetzt weit aus dem Fenster lege und einfach mal behaupte, dass die meisten Menschen, die Mittelalterromane lesen sie kennen und wer sie nicht kennt, dem sei gesagt, er hat etwas verpasst. Ich habe noch nie, auch nicht bei den anderen Autoren die ich euch vorstelle, so eine intensive Beziehung zu Hauptcharakteren aufgebaut wie in ihren Romanen. Sie hat einen Schreibstil, der so unfassbar fesselnd ist und so unglaublich einfühlsam, dass man gar nicht anders kann, als mit den Charakteren gemeinsam zu leiden und das pure Glück zu spüren. Ganz besonders stark hatte ich das bei Jonah aus dem Roman „Der König der purpurnen Stadt“. Ihre Waringham-Saga, alle anderen Romane und auch ihr Sachbuch habe ich verschlungen (ob selbst gelesen oder als Hörbuch gehört). Es gibt natürlich auch von ihr Bücher, die mir besser gefallen haben als andere. Am krassesten war das wohl bei dem Buch „Die Siedler von Catan“. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, aber ich war beim ersten Mal lesen dieses Buches so enttäuscht. Als ich das letzte Wort gelesen, das Buch zugeklappt und einmal tief durchgeatmet hatte, dachte ich nur: Das soll es jetzt gewesen sein? Du hast drei unfassbar tolle Romane dieser Frau gelesen und jetzt das hier? Was ist das? Ich habe es dann in mein Regal gestellt und es mindestens ein Jahr nicht weiter beachtet. Zwischenzeitlich hatte ich dann die Waringham-Saga weiter gelesen und wurde mehr als entschädigt. Dann stand der nächste Urlaub vor der Tür und ich brauchte noch passende Literatur und da hatte ich es wieder in den Händen. Warum nicht, dachte ich und packte es ein. Und dann passierte es. Ich konnte es zwei Tage und Nächte nicht aus den Händen legen. Ich habe es verschlungen, habe die Hintergründe plötzlich verstanden, die geschichtlichen Daten, die Ängste der Menschen zu dieser Zeit vor allem Neuem und Unbekannten. Ich konnte mich zwar nicht so in die Hauptperson hineinversetzten wie in den anderen Romanen aber das empfand ich plötzlich nicht mehr als negativ. „Die Siedler von Catan“ gehört seit diesem Erlebnis zu meine absoluten Favoriten und ich habe es danach noch etliche Male gelesen.

Obwohl alle Romane eigenständige Geschichten und unabhängig von einander gelesen werden können, habe ich mir die Freiheit genommen, sie in ihrer zeitlichen Reihenfolge zu sortieren:

Die Siedler von Catan – Das Haupt der Welt – Das zweite Königreich – Hiobs Brüder – Der König der purpurnen Stadt – Das Lächeln der Fortuna (Waringham-Saga 1) – Die Hüter der Rose (Waringham-Saga 2) – Das Spiel der Könige (Waringham-Saga 3) – Der dunkle Thron (Waringham-Saga 4) – Der Palast der Meere (Waringham-Saga 5)

Rebecca Gable 2

Ich finde es schwer, zu sagen welchen dieser Romane mein Liebling ist und ich jemandem empfehlen würde als erstes zu lesen. Vielleicht wäre es „Das Lächeln der Fortuna“, „Der König der purpurnen Stadt“ oder „Das zweite Königreich“. Alle drei Bücher (und natürlich auch ale anderen) haben das, was man sich von einem Mittelalterroman erhofft: Liebe – Spannung – Intrigen – Sex. Außerdem spielen fast alle Romane in England, was ich persönlich besonders spannend finde, denn gerade auf der Insel ist die Vergangenheit von starker geschichtlicher Spannung geprägt. So weit ich mich erinnern kann ist nur Das Haupt der Welt“ im deutschen Mittelalter angesiedelt, was mich zunächst etwas verunsichert hat, denn irgendwie und eigentlich ist das wirklich seltsam, denn immerhin komme ich auch aus Deutschland, kann ich mit der deutschen Mittelaltergeschichte nicht so viel anfangen. Ich weiß nicht woran das liegt, vielleicht weil wir in der Schule geschichtlich betrachtet uns immer nur mit dem 2. Weltkrieg befasst haben. Dabei habe ich beim Lesen festgestellt, dass es auch in der deutschen Geschichte Epochen gab, die unfassbar spannend und von unglaublich großer Bedeutung waren für das, was wir heute für selbstverständlich halten.

Rebecca Gablés Hauptcharaktere sind in allen Romanen Männer, was, soweit ich das feststellen konnte, typisch ist für Mittelalterromane. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass die Vergangenheit vor allem von Männern beherrscht und geprägt wurde. Daher ist es mit großer Wahrscheinlichkeit glaubhafter und auch leichter die Geschehnisse aus der Sicht eines Mannes zu erzählen. Vielleicht schreibt sie aber auch einfach lieber aus der Sicht eines Mannes. Zwei meiner weiteren Lieblingsautorinnen schreiben allerdings auch aus Sicht einer Frau und ich muss gestehen, dass ich das teilweise sogar sehr erfrischend finde und auch für mich persönlich war es stellenweise einfacher die Art und Weise der Entscheidungen des Charakters nach zu vollziehen. Einfach, weil ich auch eine Frau bin und vielfach vielleicht sogar ähnlich reagiert hätte.

Wer noch weitere Informationen über Rebecca Gablé erhalten möchte der kann auf ihrer Internetseite (www.gable.de) stöbern oder sich einfach im nächsten Bücherladen / der nächsten Bücherei eines ihrer Bücher kaufen / ausleihen und einfach selber sich entführen lassen. Viel Spaß dabei …

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