#Bodypositivity

Vorab möchte ich erwähnen, dass ich vielleicht die letzte Person bin, von der ich einen Rat in Sachen Bodypositivity annehmen würde, da ich mich selber noch in einer Phase befinde, in der ich langsam lerne, meinen Körper wieder zu lieben, zu akzeptieren und einfach aus dieser Spiral von Negativität zu entfliehen versuche. Aber ich möchte euch einfach an meinen Gedanken und meinem Weg teilhaben lassen.

Ich glaube über seine Gefühle zu sprechen, vor allem wenn sie teilweise so negativ gegenüber einem selbst sind, ist extrem schwer. Ich selbst habe diesen Text schon etliche Male geschrieben, ihn immer wieder gelöscht und bin seit drei Tagen am überlegen ob ich ihn überhaupt hochlade oder nicht. In meinem persönlichen Umfeld wissen ein paar meiner besten Freunde und meine Eltern teilweise von meinen negativen Gedanken. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich mich ihnen gegenüber geöffnet habe. Eigentlich erst richtig möglich ist mir dies nach einem sehr intimen Gespräch mit meiner Mutter gefallen. Es war in der Nacht vor meinem 27. Geburtstag. Ich war völlig am Boden zerstört und ich wusste noch nicht mal genau warum. Ich habe wie ein sich ständig wiederholendes, kaputtes Mixtape Gedanken in Endlosschleife in meinem Kopf kreisen lassen, die mich so runter gezogen haben. Es waren Gedanken über meine Zukunft, das ich noch nichts erreicht habe, dass ich meine Eltern enttäuscht habe, weil ich einfach nichts auf die Reihe bekomme, obwohl sie mir alles ermöglichen oder über meine kaputte Beziehung zum Essen. Ich lag in meinem Bett , konnte nicht schlafen und dann kamen sie, die Tränen. Meine Mama (und wahrscheinlich alle Mamas da draußen) hat irgendwie einen 7. Sinn. Auf jeden Fall stand sie plötzlich an meinem Bett. Hat mich in den Arm genommen und wie damals, wenn ich mir das Knie aufgeschlagen hatte, hin und her gewiegt. Wir haben sehr lange geredet. Über alles, was mich belastet und auch was sie belastet, vor allem weil sie ja gemerkt hat, dass es mir richtig schlecht ging. Am nächsten Morgen waren natürlich nicht alle negativen Gedanken wie weggewischt, aber es ging mir so viel besser.  Seit diesem Erlebnis, fällt es mir leichter, mich anderen Menschen zu öffnen, zu sagen was mich belastet, wenn es mir schlecht geht und nicht immer zu allem Ja und Amen zu sagen.

Ich hatte zwischenzeitlich auch darüber nachgedacht eine Therapie anzufangen, denn neben meiner Depression hatte sich auch eine Essstörung eingefunden, auf die ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Aber ich konnte mich nicht motivieren bzw. diesen Schritt wagen. Ja ich weiß, gerade DAS ist das Problem, aber irgendwie wollte ich es auch alleine schaffen. Ich hatte schon immer depressive Phasen, das fing schon an, als ich damals auf das Gymnasium gewechselt bin, in eine neue Umgebung, mit neuen Menschen und raus aus dieser familiären Atmosphäre, die mir die Grundschule gegeben hat. Ich war und bin ein absoluter Harmoniemensch und wenn ich merke, dass ich in ein Ungleichgewicht komme, dann zieht mich das extrem herunter. Ich habe lange gebraucht das zu verstehen, ich bin durch extreme Tiefen gegangen, aber konnte mich immer wieder aufrappeln und habe dadurch auch die Möglichkeit bekommen wundervolle Dinge zu erleben und glücklich zu sein. Meine Familie spielt dabei eine zentrale Rolle und nie, niemals würde ich irgendetwas vor diese drei Personen stellen. Ganz egal was es wäre. Sie sind mein Anker, mein Halt, meine Stütze, mein Leben. Sie waren und sind die ehrlichsten Menschen in meinem Leben und auch wenn ich schon als „Muttersöhnchen“ (hey, ich bin aber kein Junge!) tituliert wurde sehe ich das eher als Kompliment als eine Beleidigung.

Aber zurück zum Wichtigen. Ich wollte es also alleine probieren und was hat mir dabei geholfen bis jetzt? Nun das sind ganz unterschiedliche Punkte:

  • Liebesromane!

Ja ich weiß, du denkst jetzt ich drehe völlig durch, aber wie können Liebesromane dir in einer depressiven Phase helfen? Das ist ganz einfach. In diesen Büchern geht es (meistens) um eine heile Welt und vielleicht ist das in dem Moment wenn ich sie lese das absolute Gegenteil von dem was ich fühle, aber ich finde, wenn man sich öffnet für eine solche Geschichte, sie in sich hinsinken lässt, dann kann sie einem nur gute Gefühle geben. Sie gibt mir eine Ahnung davon, was alles möglich wäre, wenn ich positiver denken würde. Oft ist es auch so, dass die Hauptfiguren gerade selber durch eine schwere Zeit gehen (Trennung, Jobverlust etc.) sich aber aus dieser Situation heraus kämpfen und als starke Frau am Ende des Romanes da stehen. Ich kann manchmal aus einem solchen Roman mehr mitnehmen, als wenn ich diese ganzen esoterischen Selbstfindungsbücher lesen würde, die einem empfohlen werden und die eh nur um den heißen Brei herum reden. Zu diesen Romanen gehört zum Beispiel „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman. Ich habe diesen Roman von meiner Mama geschenkt bekommen, ein paar Tage nach unserem Gespräch vor meinem Geburtstag. Daher hat die Geschichte natürlich für mich noch eine viel tiefe Bedeutung. „Morgen kommt ein neuer Himmel“ ist ein sehr berührender Roman über die eine wahre Liebe, die uns ein Leben lang nicht verlässt und der Frage ob Träume glücklich machen können?!

Worum geht es? Mit 14 Jahren hatte Brett große Pläne für ihr Leben. Sie hat sie festgehalten auf einer Liste mit Lebenszielen, die sie aber im Laufe ihres Lebens vergessen hat, weil sie mit dem was sie hat zufrieden ist: einen Freund, einen Job, eine schicke Wohnung. Doch als sie 34 ist, stirbt ihre Mutter und die Liste tritt als Auflage um ihr Erbe anzutreten wieder auf (ihre Mutter hatte diese damals aus dem Papierkorb gefischt und aufbewahrt).  Um alle Punkte abzuarbeiten hat Brett 12 Monate Zeit. Aber wie sollen die Wünsche von damals in ihr jetziges Leben passen?  Ein Baby bekommen? Das hatte sie schon lange ad acta gelegt. Ein Pferd kaufen? Wo soll das bitte in ihrer Wohnung unterkommen, in der noch nicht einmal Haustiere erlaubt sind. Sich verlieben? Wahre Liebe gibt es doch nur im Film! Eine gute Beziehung zu ihrem Vater aufbauen? Wie soll man das machen, wenn dieser schon seit 7 Jahren tot ist? Zur Erfüllung dieser Aufgabe, hat ihre Mutter ihr mehrere, liebevolle und fürsorgliche Briefe geschrieben. Sie hat gespürt, dass Brett mit dem was sie hat nicht glücklich war und ruft sie auf, ihre Träume nicht aufzugeben und endlich selber ihr Leben in die Hand zu nehmen – denn nur man selbst kann etwas ändern.

  • Aufhören sich selbst fertig zu machen und endlich für SICH da zu sein!

Das klingt so banal wie es ist. Die Gesellschaft führt uns ständig vor Augen, das wir nicht genug sind, dass wir nicht dünn und trainiert genug sind. Das die Zahnlücke die wir haben nicht niedlich sondern ein Makel ist, dass es gilt zu verstecken, auch wenn das bedeutet, dass wir unser atemberaubendes Lächeln nicht mehr zeigen können. Das unsere Oberschenkel sich auf keinen Fall berühren dürfen, obwohl sie sich so lieben. Das wir einen Sixpack brauchen um geliebt und akzeptiert zu werden. Das wir unter keinen Umständen schwach sein dürfen und das Essen eine Strafe ist. WHAT? Selbst wenn ich das jetzt hier schreibe kommt es mir so dumm vor, dass wir (bzw. die Mehrzahl aller Frauen) uns mit solchen Dingen belasten. Das wir die Gesellschaft bestimmen lassen ob wir glücklich mit uns sind und uns so akzeptieren wie wir sind. Ich weiß wie schwer es ist, sich nicht in die Bauchfalte zu kneifen und wieder auf seinen Körper zu schimpfen, wenn er mal wieder danach verlangt mit Energie versorgt zu werden, obwohl wir doch vor 1 Stunde erst gegessen haben. Also weg mit diesen schlechten Vorstellungen. Tue etwas, und zwar jetzt gleich, dass dich glücklich macht. Das kann zum Beispiel eine heiße Tasse Tee sein, ein gutes Buch, eine Runde Meditieren oder eine Yoga-Einheit machen, in die Natur gehen, Vögel beobachten, einfach im Fenster sitzen und das Leben an sich vorbei ziehen lassen, mit seinen Eltern telefonieren, jemanden umarmen, ein Eis essen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, durch dein Zimmer tanzen (ganz egal wie verrückt das aussieht – verrückt sein ist toll!) oder oder oder …. Es gibt so vieles was man machen kann, wenn Dunkelheit sich anschleicht, auch wenn es schwer ist, sich aufzuraffen, aber hinter her ist man stolz auf sich, weil man etwas geschafft hat.

  • Einen Liebesbrief an sich selber schreiben

Vor einigen Tagen hatte ich ein Erlebnis, dass ich mit euch teilen möchte. Ich hatte Sport gemacht, eine halbe Stunde ungefähr. Ich war danach sehr ausgepowert, weil es ein HIIT – Training war. Ich lag auf meiner Matte, hab meinen Körper wieder zur Ruhe kommen lassen und habe dabei auf Instagram ein bisschen durch meine Anzeigenleiste gescrollt. Dabei bin ich an dem Bild einer „Bodypositivity“-Verfechterin hängen geblieben. Sie hatte einen Liebesbrief an ihren Bauch geschrieben. Mich hat das so berührt, das ich nicht anders konnte. Ich musste weinen. Ich lag also auf meiner Matte, mit verklebten Haaren und habe geheult wie ein Schlosshund. Ich weiß nicht woher diese Gefühle auf einmal kamen aber es tat so gut. Es war so befreiend und wohltuend. Nach diesem Gefühlsausbruch habe ich mich dann vor den Spiegel gesetzt und mich bei meinem Körper entschuldigt. Alles was ich ihm angetan habe, die ganzen Nächte, in denen ich mit Hunger im Bett lag, die Stunden in denen er wegen mir gefroren und geleidet hat, all die gemeinen Wörter die ich gegen ihn verwendet habe. Es tat und tut mir so unglaublich Leid, denn er stand immer hinter mir. Er hat immer zu mir gehalten, egal wie fies ich zu ihm war. Ich glaube jeder von uns sollte einen Liebesbrief an sich verfassen, denn wir haben es verdient, das wir uns lieben. Wir sind starke, unabhängige und wunderbare Persönlichkeiten. Jeder von uns und egal wie dunkel alles um einen erscheint, es gibt immer irgendwann eine Zeit, in der das Licht zurück kommt und wir strahlen können, so wie wir es verdient haben.

  • Sich Unterstützung suchen

Damit meine ich, sich positive Gedanken machen, in dem man sich positiven Input holt. Sei es von Freunden, der Familie oder in Form von Youtube oder Instagram. Ich habe auf diesem Weg viele ganz tolle Kanäle gefunden, die mich immer wieder aufbauen und mir zeigen, das es okay ist, so zu sein wie ich bin. Das sich selbst akzeptieren ein steiniger Weg ist, aber am Ende etwas wartet, dass man sich mit keinem Geld der Welt kaufen kann – Zufriedenheit und inneren Frieden. Sie zeigen mir, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken und Gefühlen. Einer dieser Kanäle wird von Lou und ihr Freund Jan (Fit Trio) betrieben. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, junge Mädchen und Frauen zu zeigen, dass jede schön sein kann. Auf ihre eigene Art und Weise und das es egal ist ob man Size 0 oder eine Größe 50 trägt. Wahre Schönheit kommt von Innen. Mit ihren Posts, Videos (egal ob Fitness oder Motivation) und ihrem Blog geben sie immer wieder neuen Mut und Unterstützung. Sie sind Team BODYLOVE!

Soooo, ich merke gerade dieser Post ist so unfassbar lang geworden und ich könnte noch so viel mehr schreiben. Zu diesem Thema wird sicherlich noch oft auf meinem Blog einen Post geben, vor allem weil ich selber noch ganz am Anfang meiner Reise stehe. Vielleicht stehst du auch gerade an einem Scheideweg und wenn du magst, lass uns zusammen gehen ….

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