1000 Places to see before you die … #1

Kennt ihr das Buch „1000 Places to see before you die“ von Patricia Schultz ? Ich habe es vor einigen Jahren von zwei Freundinnen zum Geburtstag bekommen. Es stand dann ewig und drei Tage in meinem altem Kinderzimmer im Bücherschrank und als ich heute, vielleicht auch in einem Anflug von Wahnsinn, die tolle Idee hatte mal etwas auf zu räumen, fiel es mir wieder in die Hände.

Beim durchblättern habe ich gemerkt, wow, bei der ein oder anderen Destination warst du ja selber auch schon, und da kam mir die Idee, wie es wäre, einfach die Vorstellung in dem Buch, mit dem was ich erlebt habe, also dem Original, zu vergleichen. Ich weiß, dass ich niemals alle 1000 Plätze die in dem Buch genannt werden bereisen kann, geschweige denn will, weil es in meinen Augen sicherlich noch einmal 1 Mio. mehr Plätze gibt die es lohnt zu besuchen! Aber egal, ob wir weit verreisen oder nur in das Nachbarbundesland, Reisen verändern uns – manchmal grundlegend, manchmal oberflächlich (wahrscheinlich ist das eher beim zweiten der Fall). Natürlich kann ich nicht für alle Menschen sprechen, euch aber von meinem eigenen Fernweh erzählen.

Wenn ich so zurück schaue, dann wird mir ganz schwindelig. In 28 Jahren, habe ich schon relativ viel von unserer wundervollen Welt gesehen. Mehr, aber auch weniger, als manch anderer. Ich könnte all diese Plätze und  Erlebnisse hier einfach auflisten, aber das wäre langweilig und auch nicht Sinn dessen, was ich vermitteln möchte. Es soll darum gehen, neugierig zu werden. Mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, Neues entdecken und sein Glück finden zu wollen.

Eine Reise, die mich wirklich verändert hat, war mein Reit-/Abenteuerurlaub in der Mongolei. Diese Reise war vor allem deswegen so bedeutend für mich, weil ich zum ersten Mal ganz alleine und dann auch noch so weit von Zuhause weg verreist bin. Ich war damals 18, fast 19 und in der Reisegruppe war ich mit Abstand die jüngste. Aber das war nicht schlimm. Ich war das Kücken, auf mich wurde aufgepasst. Wir waren eine wundervolle Gruppe, was vielleicht auch dazu beigetragen hat, dass ich dieses Abenteuer niemals vergessen und immer mit wunderschönen Erinnerungen verbinden werde.

Mongolei- Reisebericht 1
Blick von unserem ersten Camp zu unseren einzigen Nachbarn auf der ganzen Reise (die zwei weißen Punkte sind Jurten)

Ich hatte damals gerade meinen Realschulabschluss gemacht und meine Eltern wollte mir gerne etwas schenken, das mehr von Dauer ist. Etwas, an das ich mich auch in 30 Jahren noch mit Freude erinnern kann, etwas das mir vielleicht auf meinem Weg helfen kann mich selber zu finden. Eines Abends hat mir mein Papa einen Reisekatalog vor die Nase gelegt und meinte, such dir etwas aus, ganz egal was. Schon beim ersten durchblättern hab ich „meine“ Reise gefunden und die Reaktion meiner Eltern dann als ich es ihnen gesagt habe, hat mir gezeigt, sie wussten es bereits vor mir – „Das hab ich mir gedacht, ich hab denen schon geschrieben und gefragt, ob die Reise zustande kommt“.

Die Zeit vor der Reise verging wie im Flug. Dadurch, dass ich so viel planen musste (Was nehme ich mit? Was brauche ich wirklich? Das Visum musste beantragen werde und ich habe mich durch sämtliche Literatur gelesen, die ich über die Mongolei finden konnte) hatte ich gar keine Zeit mir Angst zu machen oder an meinem Mut zu zweifeln wirklich in das Flugzeug zu steigen. Als es dann aber los ging, ich im Flugzeug saß und mir bewusst wurde, jetzt gibt es kein Zurück mehr (und ich dann auch noch drei kleine, winkende Menschen auf dem Airportdach gesehen habe), war es um mich geschehen. Ich habe geweint wie ein Schlosshund. Mein Sitznachbar war etwas irritiert aber das war mir egal. Irgendwann schob sich dann von rechts ein Taschentuch in mein Blickfeld und eine Stewardess lächelte mich an. Vielleicht hat sie sowas schon öfter erlebt.

Mongolei - Reisebericht 2
Wildpferde in der Steppe

Als ich nach 12 Stunden Reise dann endlich da war, wurde ich von einem ganz lieben Fahrer abgeholt und als ich im Auto saß, wir Richtung Ulan Bataar (Hauptstadt) gedüst sind und ich die ersten weichen, tiefgrünen Hügel gesehen habe, war es um mich geschehen. Wie ein Staubsauger sind meine Augen über die weiten Ebenen gehuscht, ich habe das Fenster heruntergekurbelt, meinen Kopf herausgehalten und meine Haare vom Fahrtwind durchwuscheln lassen. Am nächsten Tag, nachdem wir uns alle und unseren Guide kennengelernt hatten, ging es direkt in die Steppe. Wir sind mit einem alten Bus erst auf Asphaltstraßen gefahren, dann ging es nur noch auf Feldwegen und später ganz ohne Wege weiter. Ich weiß nicht mehr wie lange wir gefahren sind, aber obwohl ich so müde war, konnte ich keine Sekunde meine Augen zu machen, denn es war einfach so wunder-, wunderschön. Ich glaube, dass man muss diese saftigen Weiden, sanften Hügel, weiten Ebenen und diesen unfassbar blauen Himmel selber gesehen haben, um meine Begeisterung nachzuspüren. Man muss diese Still mit seinen eigenen Ohren wahrgenommen haben um wirklich zu verstehen, was es heißt, wenn man nichts hört. Wirklich nichts. Ich habe noch nie in meinem Leben so  eine Stille gehört. Ja ich weiß, das klingt komisch, man kann Stille wirklich hören. Keine Hintergrundgeräusche, kein gar nichts. Die ersten Nächte konnte ich kaum einschlafen, weil es so seltsam war, das man nichts gehört hat.

Mongolei - Reisebericht 3

Wir haben Geier, Adler und Murmeltiere gesehen, Wildpferde im Galopp begleitet, wunderschöne Blumenwiesen und Flüsse durchquert, sind auf Yaks geritten, haben die schönsten Sonnenuntergänge in meinem Leben (bis jetzt) bestaunt und die Freiheit gespürt, die man hier bei uns nicht mehr finden kann. In einer Nacht sind Wölfe durch unser Camp gestreift und am Firmament konnte man die Venus und den Mars sehen. Keine Zäune, keine Straßen, keine Autos, kein Licht das den Sternenhimmel versteckt, keine Verbotsschilder, keine Vorschriften und keine Angst, das man aus der Reihe fällt, weil man nicht so ist wie der Rest. Ich habe mich davor und danach nie wieder so frei gefühlt wie die 14 Tage in diesem atemberaubenden Land. Die Menschen, die wir unterwegs getroffen haben (und es waren leider nicht viele) waren immer ausgesprochen freundlich und liebenswürdig. Wir wurden in ihre Yurten eingeladen auch wenn sie selbst nicht viel hatten, denn wer weiß, vielleicht braucht man irgendwann selber ein schützendes Dach über dem Kopf und dann hofft man, dass die Menschen, die man dann trifft ebenfalls einen mit Gastfreundschaft empfangen.

Mongolei - Reisebericht 5
Unser Abschiedslagerfeuer am letzten Abend in der Steppe

Was vielleicht noch wirklich wichtig wäre zu sagen ist, dass ich damals knapp 11 Jahre Reiterfahrung hatte und wusste was mich erwartet. Nämlich Touren von täglich bis zu 7 Stunden in harten und unbequemen Holzsätteln bzw. russischen Armeesätteln. Am Anfang geht man wirklich O-beinig, weil die Sättel so schmerzen und die Zeit auf dem Pferd einfach so lang ist. Aber jede Sekunde davon lohnt sich. Jede Strecke, im gestreckten Galopp über die Steppe ist unfassbar, man fragt sich die ganze Zeit, wo bleibt Dschingis Khan, der mit einem reitet. Es kommt einem so vor, als ob er hinter der nächsten Hügelkette auf dich wartet und dann reitet ihr zusammen zum nächsten Abenteuer.

Mongolei - Reisebericht 4

Ich habe damals einen Teil meines Herzens an dieses Land verloren und ich weiß, dass ich irgendwann wieder dort sein werde. Irgendwann werde ich wieder auf einem Mongolischen Reitpferd sitzen, den Wind in meinen Haaren und die Sonne auf meiner Haut spüren, diesen lieblichen Duft in der Nase haben, diese Stille hören und wissen, dass obwohl so viel Schlechtes auf der Welt passiert, es Orte gibt, die noch friedlich sind und die es lohnt mit allen Mitteln zu schützen.

Weitere Informationen, nicht nur zur Mongolei, könnt ihr hier finden:

Auswartiges Amt (hier) / MERIAN – Magazin (hier) / Pegasus – Reiseveranstalter mit dem ich gereist bin – „Mongolei Steppen Expedition“ / Bücher die ich unter anderem gelesen habe waren „Mongolei. Zu Pferde durch das Land der Winde“ von Carmen Rohrbach und paar Reiseführer, die ich mir in der Bücherei ausgeliehen habe

Advertisements

2 thoughts on “1000 Places to see before you die … #1

  1. Das klingt nach so einer atemberaubend schönen und aufregenden Erfahrung! Es ist so schön, zu lesen, dass all diese wunderbaren Momente und Erinnerungen auch Jahre später noch in deinem Gedächtnis geblieben sind – ich glaube, das ist es auch, was das Reisen so besonders macht!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s