Mein Bücherregal – Sabine Ebert

Mir fällt auf, dass sich fast nur Frauen unter den Lieblingsautoren meinerseits tummeln. Ist das bei jemandem von euch auch so? Ich mein, warum ist das so? Fühlt man sich als Frau vielleicht mehr verbunden mit einer Geschichte, ihren Charakteren, wenn diese von einer Frau geschrieben wurden oder liegt es vielleicht sogar nur daran, dass ich eher in Genre mich bewege, die prinzipiell eher von Frauen abgehandelt werden? Es stimmt schon, das Kriminalromane tendenziell eher von Männern verfasst werden und Liebesromane eher von Frauen. Ich glaube bei den historischen Romanen ist es relativ ausgeglichen, obwohl ich euch heute schon wieder eine Frau vorstellen möchte, die mich von Anfang an wirklich sehr begeistert hat. Und zwar soll es heute um die wunderbare Sabine Ebert gehen.

Das erste Mal in Berührung kam ich mit ihr, als ich mit meine Eltern Urlaub auf der wunderschönen Nordseeinsel Spiekeroog gemacht habe. Dort gibt es einen winzig kleinen Bücherladen und weil das Wetter leider nicht ganz so auf unserer Seite war, hatte ich in der Hälfte unseres Urlaubes schon meine gesamte Literatur durch gelesen. Also ging es zielstrebig in den einzigen Laden, der die Langeweile vertreiben konnte. Ich stand ewig vor dem Regal mit den historischen Romanen und wusste einfach nicht, was ich nehmen soll. Das hat wohl die Buchhändlerin gemerkt und sie kam zu mir. Wir haben lange über verschiedene Autoren gesprochen, zumindest die, die ich zu dem Zeitpunkt bereits kannte und warum ich sie so gut fand. Dann hat sie in das Regal gegriffen und „Das Geheimnis der Hebamme“ (652 Seiten) herausgezogen. Der Buchrücken hat sich fantastisch angehört und auch als ich mich im Laden ein bisschen eingelesen hatte, wusste ich, dass ich dieses Buch mit nehmen muss. Es wurde also gekauft und ich habe die nächsten zwei Tage nichts anderes als gelesen.

Worum geht es? Weil sein Sohn tot geboren wurde, will Burgherr Wulfhart der jungen Hebamme Marthe Hände und Füße abschlagen lassen. Nur mit knapper Not gelingt ihr die Flucht aus ihrem Dorf. Um zu überleben, schließt sie sich einer Gruppe fränkischer Siedler an, die ostwärts in die Mark Meißen ziehen, um sich dort in noch unerschlossenem Gebiet ein neues, besseres Leben aufzubauen. Anführer der Siedler ist der Ritter Christian, der mehr und mehr von Marthe und ihrem Heilwissen fasziniert ist. Doch dies erregt auch die Aufmerksamkeit von Christians erbittertstem Feind, einem einflussreichen Ritter in Diensten des Meißner Markgrafen Otto von Wettin. Da wird in Christians Dorf Silber gefunden … Der Auftakt einer Siedler-Saga vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Barbarossa und Heinrich dem Löwen.

Gott sei Dank, war das Wetter auch dann noch so schlecht, dass ich mir gleich den zweiten Teil „Die Spur der Hebamme“ (672 Seiten) kaufen und verschlingen konnte.

Worum geht es? Mark Meißen im Jahre 1173: Marthe und ihr Mann Christian könnten glücklich und zufrieden im durch den Silberbergbau erblühten Christiansdorf leben, doch da erreichen sie schlimme Neuigkeiten: Heinrich der Löwe ist von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land zurückgekehrt, und mit ihm Christians ärgster Feind. Erneut ist der Meißner Markgraf Otto von Wettin in die Kämpfe gegen den mächtigen Herzog von Sachsen und Bayern verwickelt. Und er ernennt ausgerechnet Christians Feind zum Vogt des Silberdorfes. Christian will seine Frau in Sicherheit bringen. Doch sie wird von einem fanatischen Medicus denunziert und muss sich vor einem Kirchengericht verantworten. Verzweifelt sucht Christian nach ihr, aber sie scheint spurlos verschwunden …

Ich glaube, jeder weiß, was es bedeutet, wenn man einen Buchcharakter so sympathisch findet, dass man in allen Lebenslagen mit ihm mitfiebert, mitleidet, gemeinsam glücklich ist, Freude empfindet, Schmerz verspürt und Trauer nachempfindet. Mir ging es mit Marthe von der ersten Seite an so. Ich finde ihr Charakter ist so vielschichtig und ständig entdeckt man neue Fassetten. Sie entwickelt sich in den 5 Büchern zu einer unfassbar mutigen und starken Frau, die sich in einer Zeit gegen alle Widrigkeiten wiedersetzt, in der Frauen normalerweise keinerlei Mitspracherecht hatten und klein gehalten wurden. Mit Christian an ihrer Seite kann sie ihre Vergangenheit zumindest teilweise vergessen und zu dem Menschen werden, der schon immer in ihr steckte. Die Schicksale die die beiden durchleben müssen, sind so unfassbar, dass man zwischendurch zwar dachte, okay, jetzt ist es vielleicht ein bisschen zu viel und das war too much, aber dann wieder macht die Sprache, der Klang der Geschichte alles wieder wett. Auch legt Sabine Ebert in allen Bücher ein so unfassbares historisches Wissen dar, dass man vor ihrer Recherearbeit einfach nur den Hut ziehen kann. Wirklich ganz großartig!

„Die Entscheidung der Hebamme“„Der Fluch der Hebamme“ und „Der Traum der Hebamme“ habe ich immer direkt nach ihrem Erscheinen gelesen und ich muss sagen, dass sie alle, wirklich alle perfekt zueinander passen. Keines ist langweilig oder man hat das Gefühl, dass so langsam das Thema ausgelutscht ist. Ich konnte einfach nicht genug bekommen von Marthe, Christian, Lukas, ihrem Dorf und all den Intrigen und geschichtlichen Wendungen. Vor allem konzentrieren sich die restlichen Bücher auch auf andere Charaktere, die man zwar schon durch die ganzen anderen Bücher hat kennengelernt aber nie wirklich in ihre Gefühlswelt hat gucken können.

Band 3 (672 Seiten) Worum geht es? Die Geschichte von Marthe und Christian geht weiter Hoftag in Magdeburg 1179: Kaiser Friedrich Barbarossa ist entschlossen, Heinrich dem Löwen den Prozess zu machen. Das bedeutet Krieg. Christian und Marthe müssen damit rechnen, dass er auch ihr Dorf in der Mark Meißen erreicht. Bald darauf nimmt Markgraf Otto von Wettin Christian als einen seiner Heerführer mit in den Kampf. Währenddessen steht Marthe in Christiansdorf vor einer ganz anderen Herausforderung: Otto hat für die Zeit des Kriegszuges seinen machtbesessenen ältesten Sohn das Kommando über die Christiansdorfer Burg übertragen. Diesem sind Christian, Marthe und ihre Anhänger schon lange ein Dorn im Auge. Mit Mut und Schläue versuchen die Dorfbewohner, sich gegen den gnadenlosen Albrecht zu behaupten. Doch viel muss geschehen, bis Christians Traum wahr wird und aus dem Dorf eine Stadt: Freiberg.

Band 4 (720 Seiten) Worum geht es? Freiberg 1189: Fast fünf Jahre sind seit Christians Tod vergangen. Marthe und Lukas leiden immer noch unter dem Verlust des Geliebten und Freundes und müssen ihre Gefühle füreinander neu bestimmen. Doch das ist nicht die einzige Sorge, die ihr Leben überschattet, denn es naht der Tag, an dem der grausame Albrecht, der älteste Sohn des Markgrafen Otto, die Regentschaft über die Mark Meißen übernehmen wird. Marthe und Lukas können nicht fliehen: Sie müssen Christians Vermächtnis erfüllen – und sich um die mittlerweile fast erwachsenen Kinder kümmern. Die sechzehnjährige Clara soll heiraten, obwohl sie heimlich in den jüngeren Sohn des Markgrafen verliebt ist, und Thomas träumt davon, sich Kaiser Barbarossas Kreuzzug ins Heilige Land anzuschließen …

Band 5 (720 Seiten) Worum geht es? Desillusioniert kehrt Marthes Sohn Thomas im Herbst 1191 vom Kreuzzug zurück. Doch auch in der Heimat findet er keinen Frieden, denn dort herrscht der grausame Albrecht über die Mark Meißen. Als dieser seinen Bruder Dietrich, an dessen Seite Thomas im Heiligen Land gekämpft hat, angreift, bleibt beiden keine andere Wahl, als erneut zu den Waffen zu greifen. Die Lage scheint aussichtslos, deshalb muss Dietrich ein Zweckbündnis mit dem Landgrafen von Thüringen eingehen. Dafür fordert dieser die Verlobung Dietrichs mit seiner Tochter. Ein hoher Preis, denn Dietrich liebt seit langem heimlich Marthes Tochter Clara…

Was dem einen oder anderen vielleicht auch aufgefallen ist, ist, dass die Frauen auf den Covern mit der Reihenfolge der Romane sich verändern. Von einem jungem, noch unschuldigen Mädchen hin zu einer reifen Frau, die schon so viel erlebt und gesehen hat. Man kann ihr förmlich ansehen, wie das Leben sie gezeichnet hat, im positiven wie im negativen Sinne. Ich mag diese Art der Cover sehr, weil sie selbst schon einen tolle Ausblick auf die Story geben und auch schon die Vorfreude auf das Lesen steigern. Ich habe die ersten beiden Romane noch mit einem anderen Cover, werde sie mir aber wahrscheinlich noch dazuholen, weil ich es einfach schöner im Regal finde, wenn alles einheitlich ist. Wem geht es noch so?

Ich weiß, dass sage ich immer, aber hier ist es wiedermal sowas von war: Alle Romane sind absolute Leseempfehlung, vor allem für die Leser unter euch, die sich dem Thema historische Romane gerade erst nähern und für alle anderen sowieso! Ich finde, Sabine Ebert gehört definitiv zu den besten deutschen Autoren im historischen Bereich. Auch „Blut und Silber“ habe ich gerne gelesen, wobei es mir dort etwas schwerer gefallen ist, mit den Hauptcharakteren warm zu werden. Die beiden Romane, die zeitlich deutlich später in unserer Geschichte spielen, “ 1813 – Kriegsfeuer“ und „1815 – Blutfrieden“ habe ich noch nicht gelesen, werde das aber bald nachholen, denn zumindest „1813 – Kriegsfeuer“ steht bereits in meinem Regal.

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