Warum Tagebuch schreiben so spannend ist …

Ein neues, noch unbenutztes Tagebuch, alle Seiten leer und bereit von mir gefüllt zu werden. Ich liebe dieses Gefühl, wenn man den ersten Strich setzt und anfängt seine Gedanken auf das Papier zu bringen.

tagebuch
(Quelle)

Ich war in meiner Jugend nie eine große Tagebuchschreiberin. Es gab immer wieder Phasen, in denen ich es mal angefangen habe, aber viele meiner Bücher aus der Zeit haben enorm große Zeitsprünge, von manchmal sogar mehreren Jahren. Sie sind auch nicht sehr tiefgründig, einfach weil ich nicht wusste, was soll ich diesem seelenlosen Etwas denn anvertrauen? Es kann mir ja noch nicht mal antworten und was ist, wenn es jemand findet? Die meisten Einträge befassen sich mit den Backstreet Boys (Was für wundervolle Augen Nick doch hat oder Ob er wirklich Single ist etc.), was ich an dem jeweiligen Tag gemacht habe und Jungs (natürlich!) aus meiner Schule. So der übliche Girlskram halt. Meine Probleme, die ich damals auch schon hatte, habe ich den Büchern nicht anvertraut. Alles spielte sich in meinem Kopf ab und wenn ich die Möglichkeit hätte um zurück zu reisen, ich würde meinen damaligen 13-jährigen Ich sagen, schreib es auf. Es wird dir so unfassbar helfen. Auch wenn du es in dem Moment noch nicht weißt, aber das wird es!

Vor zwei Jahren habe ich dann wieder angefangen regelmäßiger zu schreiben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine sehr schwierige Zeit. Ich bin regelmäßig in tiefe, dunkle Löcher gefallen und hatte nicht den Mut mit anderen Menschen über meine Gefühle, Gedanken und Träume zu sprechen. Diese Dinge aufzuschreiben hat mir wirklich gut getan. Es hat befreit. Ich glaube sogar fest daran, dass es ohne sie sicherlich länger gedauert hätte, mir über viele Missstände in meinem Leben klar zu werden und das zu verarbeiten.

Ich bin keine Tagebuchschreiberin, die einfach in normale Heftchen schreibt oder der jede Unterlage zusagt. Ich muss meine Bücher gestalten. Von Außen wie von Innen. Das heißt, ich beklebe sie mit buntem Papier, mit Fotos, Sprüchen oder getrockneten Blüten. In das Buch klebe ich dann Dinge, die ich zum Beispiel an dem Tag gefunden habe, Kinokarten oder andere Dinge, die mich an die schönen Momente des Tages erinnern. Ich klebe Fotos meiner Familie und meiner Freunde hinein. Wenn mir nach zeichnen ist, dann zeichne ich oder tobe mich mit meiner nicht vorhandenem Talent der Kalligraphie aus ^^. Ich schreibe in mein Tagebuch nicht nur meine Gedanken, sondern auch meine Träume, die mir lange im Gedächtnis bleiben. Seit dem ich meine Tagebücher auf diese Art gestalte, schreibe ich unfassbar gerne in ihnen. Ich lese auch gerne in alten Tagebüchern. Schaue mir meine damalige Kreativität an und im Laufe der letzten beiden Jahre kann man sogar eine Entwicklung in meinen Büchern feststellen. Sie werden bunter. Sie werden fröhlicher. Sie sind nicht mehr auf jeder Seite geprägt von Zweifeln, Selbstvorwürfen und Selbsthass.

Es ist ein bisschen wie mein Marmeladenglas, dass ich letzes Jahr angefangen habe zu füllen mit schönen Erinnerungen. Immer wenn etwas Schönes passiert ist und sei es nur ein tolles Gespräch mit einer Freundin, habe ich das aufgeschrieben und dort hinein gesteckt. Es ist meine Erinnerung daran, dass auch wenn ich denke, dass mich meine Sozial Phobie sooft vom Leben da draußen zurück hält, so viel schönes schon passiert ist. Und jeder Zettel gibt mir neuen Mut, dass es nur Bergauf gehen kann.

Aus all diesen Gründen denke ich, dass Tagebücher wirkliche Hilfen sind. Das Tagebuch schreiben nicht langweilig ist, sondern dich besser macht. Deine Phantasie anregt, dich kreativ macht, dir bei deiner Entwicklung hilft und dich glücklicher macht. Ich liebe meine kleine Tagebuchsammlung und auch wenn ich in ein paar Monaten vielleicht nicht mehr dieses Gefühl habe jeden Tag etwas nieder zu schreiben, dann ist das auch okay. Irgendwann, wenn ich es wieder brauche, melden sie sich von selbst. Dann zwinkern sie mir zu und ich weiß, dass ich ihnen alles anvertrauen kann. Denn und das ist noch ein Vorteil, sie können schweigen wie ein Grab. Deine Geheimnisse sind sicher, solange natürlich, bis irgendwann mal deine Urenkel in einer alten verstaubten Kiste deine alten Tagebücher finden, darin anfangen zu lesen und all deine dunklen Geheimnisse und Liebschaften entdecken ^^.

In dem Sinne – Leute schreibt mehr Tagebücher.

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