#2 – 1000 Places you have to see before you die

(Achtung sehr lang, aber kürzer ging es nicht ^^)

Die Richtigen Worte zu finden um das zu beschreiben, was ich jetzt beschreiben möchte ist irgendwie extrem schwierig. Ich weiß eigentlich gar nicht warum, aber ich habe das Gefühl das keine Wörter die ich benutzten möchte, passen. Ich bin vielleicht einfach extrem perfektionistisch, weil ich möchte, dass meine Gefühle einfach richtig rüber kommen.

Wenn ich Menschen, egal ob Freunde und Familie, davon erzählt habe was ich vorhabe, bekam ich meistens immer das gleiche zu hören „Wow, das ist so mutig“ oder „Ich würde mich das nicht trauen, auch wenn ich es immer mal gerne machen würde“. Meine Eltern haben erzählt, das sie immer wieder von Freunden darauf angesprochen wurden und jeder war begeistert und beeindruckt. Ich weiß nicht, ob ich es als besonders mutig ansehen soll. Ich habe mich nie als besonders mutig gesehen. Aber vielleicht ist es das wirklich. Mutig zu sein, sein sicheres Leben bis dahin für eine gewisse Zeit aufzugeben. Nicht zu wissen, wo man schläft, wen man trifft oder was man alles sehen wird. Ich war neugierig, ich war aufgeregt, ich war zappelig und nervös als ich am 23.02.2014 ins Flugzeug gestiegen bin um die nächsten Monate in Kanada zu verbringen.

Mein Gott, wie geflasht war ich, als ich aus der U-Bahn gestiegen bin und das erste Mal im vancouver-1quirligen und extrem lauten Vancouver raus kam. Gerade in dem Moment fing es an zu schneien und ich konnte nichts anderes machen als einfach nur in den Himmel zu gucken. Die Häuserfassaden hinauf, in den blauen, eiskalten Himmel, das hupen von tausenden von Autos und Bussen, die Rufe und das Lachen von Hunderten von Menschen um mich herum. Und ich mittendrin. Ich war überwältigt. Ich weiß, es klingt verrückt. Aber es war so. Ich bin die ersten Tag nur staunend durch die Weltgeschichte gerannt, bin erstmal angekommen in diesem fremden Land (was es einem aber sehr einfach macht, weil 99 % der Menschen die man trifft so unglaublich lieb und nett sind!) und habe mir eine dicke, fette Erkältung eingefangen. Völlig fertig habe ich dann meine erste Reise ein bisschen später als geplant angetreten und bin zu meiner ersten Farm aufgebrochen, denn jetzt kommen wir zu dem Punkt, warum ich überhaupt nach Kanada geflogen bin. Ich wollte dort freiwilligen Arbeit auf Farmen machen und so, auf eine relativ günstige Art und Weise, das Land kennen lernen. Diese Art zu Reisen nennen man WWOOFing (World-wide Opportunities on Organic Farms). Jetzt fragt sich der ein oder andere bestimmt, was ist denn das? Aber es würde jetzt den Rahmen sprengen mehr darüber zu schreiben, ich denke ich werde einen eigenen Post darüber verfassen, wenn ihr Interesse daran habt ^^

Auf jeden Fall bin ich von März bis Ende Mai so von Farm zu Farm gereist, habe unglaubliche Menschen kennen gelernt, unfassbar schöne Erfahrungen gemacht, unterschiedlichste Natur gesehen, einem Kalb auf die Welt geholfen, gelernt kanadische Köstlichkeiten zu kochen und natürlich auch zu verdrücken ^^, gelacht, gesungen, getanzt, das erste mal getrampt, gesurft, viel geredet, viel über die Geschichte Kanadas erfahren, Weißkopfseeadler und unendlich viele Vögel gesehen (by the way, auch meine Liebe zu ihnen entdeckt), Gewächshäuser gebaut, Pferdemist von A nach B geschoben, Geburtstage gefeiert, durch den Regenwald gelaufen, Kanu gefahren und den Geschichten von uralten Bäumen gelauscht, Regen auf meiner Haut gespürt, mich in Vancouver Island und seine kleinen Inseln verliebt und noch sooo vieles mehr.

Ich erinnere mich an einen Moment, wo ich in Tofino angekommen bin, weil ich mich dort mit einer Freundin von einer der Farmen treffen und ein paar schöne Tage verbringen tofino-1wollte. Ich stand da, an diesem Strand und eh ich es mir versah, saß ich mit den Knien im Sand und hatte Tränen in den Augen. Ich war so überwältigt und bin es immer noch wenn ich daran denke, denn in dem Moment habe ich mich so real gefühlt. So vollkommen und angekommen. Ich hätte in dem Moment die ganze Welt umarmen können und war einfach nur erfüllt von purem Glück. Vielleicht war es auch eine Vorahnung auf diese geniale Zeit die ich dann hatte. Denn Tofino war perfekt. Die Menschen dort die ich getroffen habe, das Wetter, die Umgebung, einfach alles. Wir waren eine eingeschworen Gemeinschaft und aus ein/zwei Tagen wurde eine ganze Woche. Jeden Abend saßen wir auf dem Steg vor dem Hostel, haben geredet, gelacht, Musik gemacht und unser Leben genossen. Manchmal ist es glaube ich so, dass man Menschen trifft, mit denen man eine tolle Zeit hat und dann, nach ein paar Tagen geht man wieder auseinander und der Kontakt verliert sich, aber jedes Mal, wenn man die Erinnerungen wach ruft, bekommt man ein Lächeln ins Gesicht und es schwingt auch keine Wehmut mit, denn warum sollte man traurig sein, wo man doch eine so unfassbar tolle Zeit hatte!?

Aber was dann kam, hat alles vorherige noch mal um 100 % übertroffen. Ich habe mit zwei anderen einen Road Trip gemacht. Quer durch British Columbia, rauf in den Yukon, bis nach Alaska. Aber darüber werde ich in einem anderen „#1000 Places you have to see before you die“ erzählen, denn wenn ich das hier noch mit rein packen würde, mein Lieber Herr Gesangsverein, dann würde das den Rahmen vollends sprengen ^^

Viel zu schnell waren dann die 4 Monate herum und ich musste von Seattle wieder nach Hause fliegen. Es hat lange gedauert, bis ich wieder vollständig in Deutschland, meinem Leben, angekommen bin. Körperlich war ich anwesend, auch vom Kopf her, aber ein Teil meines Herzens, meiner Seele war noch immer auf reisen. Ist noch immer durch die Wälder gestreift, hat Bären und Elche beobachtet, ist auf Berge geklettert, hat Feuer am See gemacht, hat frierend morgens mit einer heißen Tasse Tee im Denali National Park gesessen, ist weiterhin jeden morgen in den Stall um nach den Hühnern und Kälbchen zu sehen, hat weiter englisch gesprochen und wollte einfach nicht gehen. Ich weiß nicht, wann ich diesen Teil wieder bei mir hatte. Wann ich wieder ganz war. Vielleicht bin ich immer noch nicht, nur habe ich mich jetzt daran gewöhnt, denn jedes Mal, wenn ich mir die Fotos ansehe, dann merke ich, wie mein Herzchen anfängt zu flattern, wie etwas in mir ruft und flüstert und das Fernweh in Wellen über mich schwappt.

alaska

Ich werde irgendwann wieder kommen, das weiß ich. Irgendwann und außerdem warten da draußen noch so viele andere Plätze, die entdeckt werden wollen. Unsere Erde ist viel zu schön und aufregend um immer nur an einem Ort zu sein. Geht raus, entdeckt wie Welt, traut es euch, auch wenn alle sagen ihr seit verrückt. Niemand ist verrückt, nur weil er die Welt mit seinen eigenen Augen sehen will, weil er selber merken möchte wie sie riecht und schmeckt. Es sind die, die für immer an einem Ort bleiben die Verrückten. Denn ihnen entgeht so viel.

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