#Rezension – „Mich hat Auschwitz nie verlassen“

„Mich hat Auschwitz nie verlassen “ – Überlebende des Konzentrationslager berichten

Autoren: Susanne Beyer und Martin Doerry (HG.)

Preis: 29,99 € (Gebundene Ausgabe)

Seitenanzahl: 288

Verlag: SPIEGEL Buchverlag / DVA

Leseprobe: „Mich hat Auschwitz nie verlassen“

Worum geht es? Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden; nur wenige Gefangene kamen mit dem Leben davon. Diejenigen, die die Lagerhaft überlebten, konnten oder wollten in den Jahren nach der Befreiung meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sie fühlten sich außer Stande, über die Exzesse der Entwürdigung, die sie in Auschwitz erfahren mussten, zu reden, oder sie fanden für ihre Erinnerungen kein Gehör.

Weltweit haben SPIEGEL-Redakteure und -Mitarbeiter nun ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers besucht und befragt, Susanne Beyer und Martin Doerry haben diese Berichte in einem Buch zusammengestellt. Die beeindruckenden Schilderungen der letzten überlebenden Zeugen von Auschwitz werden reich bebildert mit Porträts, die die Fotografen Sara Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk für diesen Band anfertigten (Quelle).

Wie fand ich es? Wie kann man ein solches Buch bewerten? Darf man es bewerten? Ich weiß, das dieses Buch, eines der einfühlsamsten und besten Zusammenfassungen dieses Grauens ist, dass ich in meinem Bücherregal stehen habe. Ich habe zwar auch Bücher, die deutlich krasser das Geschehen erzählen und einen auf einer ganz anderen Ebene berühren, aber dieses ist einfach in seiner Aussage ganz besonders. Die dort interviewten Menschen sind Zeitzeugen, die in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr leben werden und ihre Geschichte wird mit ihnen sterben. Wenn man sie nicht nieder schreibt, wenn man nicht versucht sie festzuhalten, so wie sie sie erzählen, dann verschwindet sie. Aber das darf nie, niemals passieren. Ich bin den beiden Autoren, den zahllosen Mitarbeitern die die Interviews geführt haben, den Menschen die in diesem Buch zu Wort kommen und dem Spiegel Buchverlag für dieses Buch unendlich dankbar. Es ist so wichtig, dass es diese Berichte gibt, gerade jetzt, wo sich unsere Welt, unsere Gesellschaften wieder in eine Richtung entwickeln, die mir Angst macht.

Ich finde den Aufbau sowie die Gestaltung unglaublich geschmackvoll und den einzelnen Menschen, die dort zu Wort kommen, sehr angemessen. Es wäre richtig, alle in dem Buch vorkommenden Überlebenden euch vorzustellen, aber das würde den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund möchte ich euch hier nur von einem Beispiel, das mich besonders berührt hat, berichten.

Esther Bejarano (geboren als Esther Loewy) hat mich sehr stark an meine alte Klavierlehrerin erinnert, zu der ich immer ein sehr liebevolles Verhältnis hatte. Sie war für mich wie eine dritte Oma. Sie war wie Esther ein sehr musikalischer Mensch. Hat Cello und Klavier gespielt und konnte Französisch, Englisch und Italienisch fließend sprechen. Aber zurück zu Esther Bejarano. Sie hat Auschwitz, wo sie am 20. April 1943 hin deportiert wurde, nur aus dem Grund überlebt, da sie dort als Musikerin im Mädchenorchester spielen durfte. Auf einem Todesmarsch, zwischen Karow und Plau am See konnte sie fliehen und erlebte am 3. Mai 1945 die Befreiung durch die Rote Armee in Lübz. Sie steht noch immer auf der Bühne, jetzt aber mit einer jungen Rap-Gruppe, die ihre alten Lieder neu interpretiert- ist das Foto nicht bezaubernd? Es spiegelt in meinen Augen so viel Lebensfreude ihrerseits wieder, das es mich schon alleine vom zusehen total glücklich macht. Sie wanderte zunächst nach Israel aus, kam aber 1960 nach Deutschland zurück und lebt seitdem in Hamburg („Auschwitz hat mich nie verlassen“, S. 273).

esther_bejarano_2014_550
(Quelle)

Ich würde mir wünschen, wenn dieses Buch in allen Schulen zur Pflichtlektüre gehören würde, genauso wie so viele andere, denn erst, wenn man wirkliche Geschichten liest und sie mit Gesichtern, mit richtigen Menschen in Verbindung bringt, fängt man an, sich Gedanken zu machen. Fängt man an zu verstehen. Begreift man, dass das was damals passiert ist, nie, wirklich niemals wieder geschehen darf und doch haben die meisten Menschen auf diesem Planeten diese wichtige Regel nicht verstanden. Es wird gemordet im Namen Gottes, es wird gemordet um Territorien für sich einzunehmen, es wird gemordet aus dem reinen Vergnügen, andere leiden zu sehen. Mich ekelt das an, mich macht das fertig. Warum schaffen wir es nicht, in Frieden neben einander zu leben, jeden so zu schätzen wie er ist, jedem sein Leben leben zu lassen. Jeder Mensch ist wichtig, jeder Mensch verdient es geliebt zu werden, ganz gleich wo seine Herkunft liegt, an welchen Gott er glaubt und wie seine Hautfarbe oder sein Geschlecht ist!!!!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s