Woche 14 von 52 – 2. Advent

Gestern hatten wir Familienwichteln. Das ist eine kleine Tradition bei uns. Jedes Jahr treffen wir uns mit der Familie von der Seite meiner Mama und veranstalten ein kleines aber feines Essen mit anschließendem Wichteln. Jedes Jahr wird dann für das folgende Jahr wieder ein neuer Wichtelpartner gezogen und jedes Jahr geht da irgendetwas schief. In einem Jahr hat mein Vater zwei Geschenke bekommen, dafür ein anderer gar nichts, im darauf folgenden Jahr hat man mich einfach vergessen. Das ist nicht schlimm, man weiß ja, dass es nicht aus Bosheit passiert, meine Familie ist einfach manchmal ein bisschen verplant. Diese Verplantheit ist erblich, ich weiß das, denn ich habe sie geerbt.

Auf jeden Fall konnte ich die letzten zwei Jahre nicht dabei sein, denn der Weg von Wien für ein Wochenende ist leider etwas zu weit und in zwei Wochen bin ich eh für etwas länger daheim. Ich saß also gestern wie die letzten zwei Jahre auch, vor dem Laptop und habe meine Familie dabei beobachtet, wie alle durcheinander redeten, diskutierten wer anfangen darf zu würfeln und ob wir im Uhrzeigersinn gehen oder ihm entgegen. Natürlich darf jedes Jahr mein Opa anfangen, denn mit seinen 95 Jahren hat er sozusagen das Hoheitsrecht! Das Spiel geht so, dass derjenige, der eine 6 gewürfelt hat, sein Geschenk bekommt und was soll ich sagen, mein Opa, mein Bruder, meine Mama und mein Papa (kurioserweise saßen sie alle nebeneinander) hatten direkt im ersten Anlauf eine 6. Das ist in der Geschichte dieser Tradition noch nie, wirklich noch nie, vorgekommen! Ich erinnere mich nur zu gut an ein Jahr, wo wir locker 15 Runden gebraucht haben, bis jemand eine 6 gewürfelt hatte. Die Freude war bei jedem groß, dieses Jahr waren wirklich schöne Dinge dabei. Mein Bruder hatte mich gezogen und wieder mal bewiesen, dass wir auf irgendeiner Art und Weise miteinander verbunden sein müssen (neben dem Faktor natürlich, das wir Geschwister sind!) denn er hat mir das Harry Potter Ausmalbuch geschenkt, was ich mir eigentlich zu Weihnachten wünschen wollte.

Wie ich da so saß, jedem beim auspacken seines Geschenkes zugesehen habe, da hat mich ein ganz komisches Gefühl überrannt. So eine Wärme und ganz viel Freude. Das diese Menschen meine Familie sind, hat mich mit so viel Glück gefüllt, dass es nicht schlimm war, dass ich nicht dabei sein konnte. Es war okay, denn ich weiß, dass ich sie liebe und sie mich.

Klassischer Weise wird danach dann gegessen und gesungen. Ich werde diesen Teil nicht näher ausmalen. Nur so viel, das Talent zu singen ist wirklich an meiner Familie vorbei gegangen. Wir hören uns an, wie eine Horde liebeskranker Hunde, die um Mitternacht den Vollmond anheulen. Es gibt ein Lied, das wir alle sehr lieben. Das ist „Oh, Tannenbaum“. Jeder schmettert es mit einer etwas anderen Melodie und Tonlage und es hört sich auf seine Art und Weise schon wieder gut an. Mein Opa zum Beispiel singt es eher wie einen flotten Militärmarsch, während mein Onkel es eher wie das traurigste Lied auf diesem Planeten klingen lässt. Es ist ein Fest.

Mit diesen Worten, habt alle noch einen umwerfenden 2. Advent, ölt eure Stimmlein mit ganz viel Glühwein (oder Met), esst so viele Kekse wie ihr nur könnt und träumt!

Song of the day: Rolf Zuckowski – Dezemberträume

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