#Filmbesprechung (Dokumentation) – Newtown

Lange habe ich keine Dokumentation mehr gesehen, irgendwie war ich nie in der Stimmung, mich wirklich für längere Zeit auf ein Thema einzulassen, weil man doch bei Youtube sich schnell und so vielfältig berieseln lassen kann. Jetzt habe ich gesehen, dass es wieder etliche neue Dokumentation auf Netflix gibt. „Newtown“ war eine, die mir direkt ins Auge gestochen ist, da ich mich an das Attentat an der Sandy Hook Grundschule im Bundesstaat Conneticut am 14. Dezember 2012 noch sehr gut erinnern kann.

Schon allein der Anfang ist sehr emotional, denn es werden Telefonmitschnitte aus den Anrufen eingespielt, die von der Polizei während des Amoklaufes aufgenommen worden sind. Verschiedene Familien kommen immer wieder zu Wort. Vor allem die Familie von Daniel hat mich so berührt. Er lebte in einer wundervollen Familie. In der er geliebt wurde, in der er etwas Besonderes war. Er war ein lustiger, lebensfroher Junge und so schrecklich aus dem Leben gerissen zu werden, hat mich unglaublich traurig gemacht. Ich habe die ganze Zeit meinen kleinen Bruder vor mir gesehen. Wie er im gleichen Alter war, mit seinen wunderschönen blonden Haaren, die ihm ins Gesicht gefallen sind und wie er einen mit seinen wunderschönen großen Augen angesehen hat. Meinem Bruder geht es gut. Er ist ein junger, hübscher, hilfsbereiter, liebenswert Mann geworden und lebt sein eigenes Leben. Ich weiß nicht, ob ich mein Leben so hätte weiter leben können, mit der Gewissheit, dass es ihn nicht mehr geben würde. Ben Wheeler oder Dylan sind noch solche Beispiele. Ich habe die ganze Zeit meinen Bruder gesehen.

154 Schüsse. 28 Todesopfer, davon 20 Kinder, sechs Angestellte der Grundschule sowie die Mutter des Täters. Der Täter erschoss sich nach der Tat selbst. In Bezug auf die Anzahl der Toten während des Amoklaufes ist das Attentat in Newtown das drittschwerste in der Geschichte der USA. Ich konnte damals schon nicht verstehen, wie jemand unschuldige Kinder erschießen kann und dann auch noch so brutal wie Adam Lanzer vorgegangen ist. Ich kann es auch heute nicht verstehen! Es geht einfach nicht!

Ich weiß, dass so etwas auch in Deutschland passieren kann (siehe Amokläufe in Erfurt (2002), Emsdetten (2006) und Winnenden (2009)). Aber wir haben strenge Waffengesetze. Bei uns darf niemand sich einfach ein riesen Arsenal an Waffen anlegen. Wir gehen nicht mit unseren Waffen einkaufen, bei uns kann man nicht im Supermarkt (im Walmart ist das wirklich so!!! Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen) Waffen und scharfe Munition kaufen. Mich ekelt dieses Verhalten der Amerikaner an. Ich finde es Widerwärtig auch nach einem solchen Amoklauf noch darauf zu bestehen, dass jeder dieses Recht haben darf. Sogar zu wollen, dass in Schulen Waffen erlaubt sein sollen um sich selbst verteidigen zu können. Ich verstehe das nicht. Warum leben sie noch immer in dieser Wild-West-Manie? Ich finde, jedes Attentat ist grausam und eines zu viel, aber wenn Kinder betroffen sind, ist es noch viel schlimmer. Das sind Kinder. Sie haben ihr ganzes Leben vor sich. Sie hätten zu Teenagern werden können, zu Erwachsenen, zu Eltern und Großeltern.

Ich finde, gerade jetzt auch vor den schrecklichen Ereignissen in Syrien und überall auf der Welt darf man nicht vergessen, wie viele Kinder da draußen keine Kindheit haben. Sie haben keine Zukunft, sie haben niemanden. NIEMANDEN. Sie sind alleine und müssen um ihr Leben bangen. Ihnen ist es egal, ob sie das neuste Computerspiel bekommen oder nicht, sondern ihnen ist nur wichtig, zu wissen ob es ihrer Familie gut geht. Ob sie leben oder ob sie mit der Trauer fertig werden müssen zu wissen, dass sie ganz alleine auf dieser riesig großen und grausamen Welt sind.

In dieser Dokumentation geht es nicht nur um das Attentat sondern auch um die Familien, die ihre Kinder verloren haben. Um Eltern die trauern und stark sein müssen/wollen, für sich und ihre anderen Kinder. Um die verstorbenen Kinder selbst. Um ihre Freunde, die jetzt ohne sie zur Schule gehen und spielen. Um die Geschwister. Um die Eltern von Überlebenden, die sich Schuldgefühle geben, dafür warum ihr Kind überlebt hat und das einer anderen Familie nicht. Um eine Stadt, die zusammen hält. Für die Polizisten, Feuerwehrleute, Notärzte und Freiwilligen, die am Tatort unvorstellbares gesehen haben.

Am Ende wagt Daniels Vater einen Tandemsprung und man spürt, wie nah er in diesem einem Moment seinem Sohn war. Ihm hätte dieses Abenteuer gefallen.

Die Dokumentation kann auf Netflix angesehen werden.

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