#Rezension – Die Geschenke meiner Mutter

Die Geschenke meiner Mutter

Dieses Buch habe ich vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.

Autor: Cecilie Enger

Seitenanzahl: 272

Preis: 10 € (Taschenbuch)

Verlag: Penguin Verlag

Leseprobe: Die Geschenke meiner Mutter

Worum geht es? Schon lange fürchtete Cecilie sich vor diesem Tag: Ihre an Alzheimer erkrankte Mutter muss in ein Pflegeheim. Beim Ausräumen des Elternhauses findet sie in einer Schublade Zettel, auf denen die Mutter über vier Jahrzehnte hinweg gewissenhaft alle Weihnachtsgeschenke notiert hat, die in der Familie ausgetauscht wurden. Mit den Gaben werden Erinnerungen an geliebte Menschen wach, an Familiendramen, Schicksalsschläge, aber auch große Momente des Glücks.

Wie fand ich es? Mich hatte vor allem der Cover angesprochen. Es hat etwas so beruhigendes und anrührendes. Man spürt irgendwie das Lächeln des Mädchens, dass diese roten Lederschüchen zu Weihnachten bekommt. Wie schön sie wohl getragen ausgesehen haben. Waren sie bequem oder haben sie bei jedem Schritt gedrückt?

In meiner Familie gab es zwar keinen Fall von Alzheimer, aber ein Fall von Demenz hat mich in meiner Kindheit begleitet. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn ein geliebter Mensch einem immer weiter zu entgleiten scheint. Meine Oma hat mich und alle Menschen die sie geliebt haben erkannt. Sie hat niemanden vergessen, aber manchmal war sie in einem Zeitstrudel gefangen. Hat von Verwandten gesprochen, die schon viele Jahre tot waren, hat innerhalb von einem Tag vergessen, dass wir mit ihr in ihre alte Heimatstadt gefahren waren, weil sie sich das immer so gewünscht hat. Aber es gibt so viele Momente an die ich mit mit Freude erinnere. Aus diesem Grund war ich auch besonders gespannt auf dieses Buch.

Alles beginnt mit einer Liste über sämtliche Weihnachtsgeschenken. Die Mutter der Protagonistin hat jedes Geschenk (sei es noch so klein, z.B. drei kleine Filzherzen für eine Tante, die unter sehr starken Depressionen gelitten hat) aufgeschrieben. Ursprünglich hat sie das vielleicht gemacht um den Überblick nicht zu verlieren, wem sie was geschenkt hat und um unbedingt zu verhindern, dass der Beschenkte ein Geschenk doppelt bekommt. Ich finde diese Idee eigentlich großartig. Vor allem vor dem Hintergrund, wie sich die Geschichte entwickelt und was sie mit der Protagonistin macht.

Man kann förmlich das Papier rascheln hören auf dem vor so langer Zeit Ruth mit fein säuberlicher Handschrift geschrieben hat. Es ist bestimmt zerknittert und an manchen Stellen verblasst die Tinte schon. Im Laufe des Romanes wird die unausgesprochene Botschaft immer deutlicher: Wie ist das Verhältnis zu deiner Familie? Wie gehst du mit kranken oder alten Mitmenschen um? Natürlich braucht man nicht unbedingt eine Atmosphäre wie die der Weihnachtszeit um über diese Fragen nachzudenken. Aber vielleicht ist es gerade dieser Geist das entscheidende an dieser Geschichte.  Mit jedem Geschenk auf der Liste, werden Erinnerungen an längst verstorbene Verwandte/ Freunde, geliebte Menschen, Momente des puren Glückes, Schicksalsschläge oder Familiendramen wach. Man erinnert sich und schwelgt vielleicht in Tagträumen.

Von mir bekommt dieses Buch eine klare Leseempfehlung, denn auch wenn das Buch hin und wieder nicht so schöne Erinnerungen wach gerufen hat und man ja auch weiß, dass es kein Happy End geben kann, hat es mir trotzdem Trost gespendet. Es zeigt auf eine liebenswürdige Art und Weise die Vergänglichkeit von uns allen und wie wichtig doch die Familie und deren Lebendigkeit und Liebe ist.

Ich möchte daher mit den schönen Worten von Christina Westermann (WDR, frau-TV) schließen:

»Ein Buch, das einen unmerklich gefangen nimmt, bei dem man sich Seite um Seite im Leben der anderen verliert.«

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