#Storytime – Wie es ist einen Bären zu treffen …

Tja, ich wette, du hast auf diesen Titel geklickt, weil du dachtest „WOW was ist denn da passiert?“ und sicherlich auch, weil du wissen willst, wie dieses ungleiche Treffen ausgegangen ist. Ich kann dir versprechen, es wird gruselig und ich kann mir selber versprechen, das ich wieder Herzrasen bekommen werde. So wie jedes Mal, wenn ich jemandem diese Geschichte erzähle.

Wie ich ja schon einmal erzählt habe, war ich 2014 für einige Monate in Kanada. Im Anschluss an meine wwoofing-Zeit habe ich eine Roadtour mit zwei Freunden gemacht, die ich während dieser Zeit getroffen habe. Unser Weg führte uns durch Britisch Columbia, den Yukon bis hinauf nach Alaska. Den ganzen Weg über hatten wir immer mal wieder Begegnungen mit Bären, aber die waren meist harmlos, weil wir entweder im Auto oder im Bus saßen. Die Begegnung von der ich euch aber heute erzählen möchte, war anders. Komplett anders.

Wir waren wieder auf dem Weg zurück nach Vancouver. Wir hatten gerade die Grenze zwischen dem Yukon und Britisch Columbia passiert und sind auf dem Highway 37 unterwegs.

Highway 37

Dieser Highway an sich ist ein wundervoller Augenschmaus. Die Straße ist einspurig, ohne Seitenstreifen und Fahrbahnbegrenzung. Die Wälder an den Seiten haben noch Zeichen von vorherigen Waldbränden und wenn man aussteigt, kann man sogar noch ein bisschen davon riechen. Es ist hier so einsam. Einsamer als auf den gesamten 9900 km davor. Es ist so verrückt dieser Straße zu folgen, man sieht all diese toten Bäume aber es ist nicht irgendwie beängstigend oder beklemmend. Man sieht wie die Natur sich wieder erholt. Man sieht, wie sie sich die abgestorbenen Pflanzen zurück holt, wie sie wieder austreibt und alles mit neue Leben überzieht. Wir hatten schon vorher einen Campground ausgesucht aber hatte keine Ahnung davon, was für eine Schönheit wir finden würden. Die Straße zu diesem Campingplatz führte uns ein ganzes Stück vom Highway 37 weg, was ich zunächst ziemlich beängstigend fand. Ich mein, man weiß nicht ob noch jemand anders bzw. ein Ranger auf diesem Campingplatz sein wird. Aber plötzlich war diese Angst wie weggeblasen. Vor uns lag der Boya Lake mit türkisblauem Wasser, eingefasst von Wald soweit das Auge reicht und ein Himmel, der zwar nichts gutes verspricht aber einfach perfekt in dieses Szenario passt.

Campingplatz wo die Geschichte mit dem Bären passiert ist

Wir konnten gar nicht genug kriegen von diesem Anblick. Unser Zelt durften wir direkt am Wasser aufbauen und wurden beruhigt das eine Rangerin in der Nacht auf uns aufpassen würde. Bei herrlichstem Sonnenschein, die dann doch noch durch die Wolken durchbrechen konnte, haben wir unser Abendessen genossen. Weil es, obwohl es schon Juni war, relativ schnell sehr kalt wird wenn die Sonne sich verabschiedet, haben wir uns früh in unser Zelt verkrochen. Irgendwann in der Nacht, so genau weiß ich das nicht, denn die Sonne geht selbst dort noch nicht vollständig unter. Man kriegt noch ein bisschen was ab von der Mitternachtssonne. In Alaska war das aber noch viel schlimmer, meine innere Uhr war total durcheinander. Aber zurück zum Thema.

Ich wurde also wach weil ich, trotz Ohropax (!), ein ziemlich lautes Brüllen gehört habe. Ich dachte erst es kam von der anderen Seite des See’s aber als es noch einmal kam, war ich mir ziemlich sicher, dass es auf unserer Seite war. C. neben mir war auch wach. Sie schaute mich total entgeistert an und fragte ob ich das Geräusch auch gehört hätte. Wir lagen da und lauschten ob wir es noch einmal hörten. Plötzlich hörten wir einen Vogel, der kreischte und richtig laut mit den Flügeln schlug. Mir ist in dem Moment wirklich eiskalt der Schweiß den Rücken herunter gelaufen, denn ich kannte diesen Vogel. Vorm Schlafengehen wollte ich nämlich noch einen kleinen Spaziergang machen, bin aber nicht weit gekommen, weil mich ein kleiner Vogel, der mitten auf dem Weg sein Nest gebaut hatte, so dermaßen attackiert hat, das ich umdrehen musst. Was auch immer da jetzt gerade gebrüllt hatte musste den gleichen Weg gegangen und dem, unter einem enormen Beschützerinstinkt leidenden Vogel, begegnet sein. C. meinte, dass es definitiv ein Bär sein muss. Was anders würde gar nicht gehen. Gott, wir hatten solche Panik. Plötzlich und das ist jetzt kein Witz, hörten wir genau bei unseren Köpfen ein Schnaufen! Der Bär war genau an unserem Zelt, genau an unseren Köpfen. Er hat sich richtig wütend angehört. Man konnte hören, wie er die Kieselsteine hin und her geworfen hat und immer wieder laut geschnauft hat. Wir haben uns panisch an den Händen gefasst und ich habe meine Augen soweit aufgerissen, dass es schon weh tat, weil ich nicht gezwinkert habe. Ich kann nicht beschreiben an was ich in dieser Situation gedacht habe, nur dass ich nicht sterben wollte. Wir hatten Bilder von Zelten gesehen, in die ein Bär eingebrochen war. Wir hatten Bilder von Menschen gesehen mit Verletzungen von Bären. Wenn ich sagen würde, dass ich Todesangst gehabt hätte, dann wäre das gelogen, aber ich hatte wirklich, wirklich wahnsinnige Angst.

Wir wussten gefühlt 5 Minuten oder länger nicht, ob der Bär noch an unserem Zelt war oder nicht. Wenn man Panik hat, dann hat man ja überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Auf jeden Fall kam dann irgendwann ein Auto, die Rangerin (!) und hat den ganzen Campingplatz abgelaufen. Irgendwann haben wir sie gehört, wie sie zweimal geschossen hat, um den Bär zu verjagen. Danach kam sie zurück und fuhr wieder in ihre Hütte. Am nächsten Morgen kam sie zu uns und hat gefragt ob wir etwas mitbekommen hätten. Wir haben ihr alles erzählt und sie meinte, wir hätten wirklich Glück gehabt. Gott sei Dank haben wir uns immer daran gehalten kein Essen, keine Deos oder Cremes (also nichts was Gerüche verursachen könnte) im Zelt zu lagern. Auf jeden Fall war dieses Erlebnis das unglaublichste und unfassbarste was ich jemals mit einem Wildtier erlebt habe!

Bär an Seitenstreifen
Dieser Grizzly war unser erster Bär, den wir auf unserer Reise gesehen haben. Es war noch ein Jungtier aber so imposant ♥

Ich könnte euch noch ein paar andere Geschichten erzählen, hättet ihr Interesse daran? Und was war das unglaublichste was ihr mit einem Wildtier jemals erlebt habt?

Advertisements

4 thoughts on “#Storytime – Wie es ist einen Bären zu treffen …

  1. Hallo, direkten Kontakt mit einem Wildtier hatte ich noch nicht. Ich habe nur mal auf einer geführten Kanutour in Schweden beim Überqueren eines Sees am Ufer einen Elch gesehen.Für einen Stadtmensch mich war das schon recht eindrucksvoll.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s