#Rezension – Girl on the Train (evtl. mit klitzekleinen Spoilern)

Girl on the Train

Autorin: Paula Hawkins

Seitenanzahl: 448

Preis: 12,99 € (Taschenbuch)

Verlag: Blanvalet

Leseprobe:Girl on the Train – Leseprobe

Worum geht es? Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse …

Wie fand ich es? Da dieses Buch ja bereits in den USA und Großbritannien als Bestseller betitelt wurde und auch der Film ziemlich eingeschlagen ist, dachte ich, es würde mal an der Zeit sein, dass ich mich auch mal an ihn wage.

Was soll ich sagen? Mich hat die Story total gepackt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch morgens anfange und es dann bis zum Abend durch gelesen habe. „Girl on the Train“ hat mich einfach von der ersten Seite an gepackt, sogar so stark, dass ich fast meine Haltestelle verpasst hätte, als ich auf dem Weg zur Uni war.

Rachel ist eine traurige Existenz. Sie hat sich immer Kinder gewünscht aber sie selber ist unfruchtbar. Um mit dieser niederschmetternden Nachricht fertig zu werden hat sie angefangen zu trinken. Dadurch ist sie in einen Teufelskreis aus Gewalt, Hass (vor allem Selbsthass) und unerfüllter Liebe getrudelt. Ihre Ehe ist zerbrochen, ihr Exmann hat eine neue Frau und eine Tochter (zu allem Überfluss). Sie kommt damit nicht klar. Sie stalkt Tom und Anna, wird ausfällig und begeht während etlicher Blackouts ziemlich haarsträubende Dinge. Das mit ihr etwas nicht stimmt spürt und erfährt man relativ schnell. Man merkt dass sie ein Alkoholproblem hat und das sie in einer Welt lebt, die sich von der Realität etwas unterscheidet. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir manchmal auch überlege, was die eine oder andere Person der ich über den Weg laufe oder die mir in der U-Bahn gegenübersitzt in ihrer Freizeit macht, ob sie in einer glücklichen Beziehung lebt oder ihren Partner betrügt. Eines darf man dabei nur nicht vergessen und das ist die Distanz zu waren und die Realität nicht aus dem Blick zu verlieren. Und genau das hat Rachel nicht geschafft.

Ihre Gedanken kreisen immer wieder um Tom und darum wie er sie betrogen hat. Man merkt ganz deutlich wie sehr sie ihn vermisst. Wie sehr sie Anna dafür hasst, dass sie ihr ihren Mann weggenommen hat. Sie fällt immer stärker in einen Strudel aus Alkohol und Blackouts, aus Angst und dem Nicht-wissen was sie wann gemacht hat. Durch ihren ständig steigenden Alkoholkonsum verliert sie ihre Arbeit. Sie schämt sich dafür und traut sich nicht es ihrer Mitbewohnerin zu sagen. Jeden Tag fährt sie weiterhin nach London um dort ihren Tag in der Bücherei oder irgendwelchen Cafés zu verbringen. Dabei kommt sie jeden Tag an ihrem altem Haus vorbei, was man allerdings erst viel später erfährt. Zunächst geht es immer um ein anderes Ehepaar, dass in ihrer Nachbarschaft wohnt. Sie beobachtet die beiden, denkt sich Geschichten zu ihnen aus, gibt ihnen Namen. Sie hat das Gefühl die beiden bereits zu kennen.

Eines Tages sieht sie wie „Jess“ einen anderen Mann küsst. Kurze Zeit später liest sie in der Zeitung, dass eine Frau vermisst wird, mit einem Foto von „Jess“ aka Megan. Rachels Welt bricht nun vollständig auseinander, vor allem weil sie an dem Abend dort war. Am Haus von Tom und Anna. Sie war betrunken, sie hat Blut an den Händen, eine schwere Kopfwunde und wie sollte es anders sein einen absoluten Blackout. Zunächst denkt sie, sie hätte Megan umgebracht aber irgendwie spürt sie, dass das nicht sein kann. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Gedächtnis, nach Megan, kollidiert dabei mit Polizeiermittlungen, gerät immer stärker in den Konflikt mit ihrem Exmann und seiner neuen Frau. Sie bandelt mit Megans Exmann an. Aber diese Beziehung ist auf Lügen, Wut und Trauer aufgebaut. Beide Beteiligten wie wie zwei Bojen im Wasser. Sie driften hin und her. Für einen kurzen Moment brauchen sie sich, im anderen tritt die dunkle Seite hervor und sie werden auseinander gerissen.

Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen. Es wechselt immer wieder zwischen drei Frauen: Rachel, Megan und Anna, der neuen Frau von Rachels Exmann. Außerdem wechseln die Zeitebenen: Rachel erzählt aus der Gegenwart, während Megan aus der Zeit vor ihrem Verschwinden berichtet. Anna hingegen rekapituliert oft Szenen, die Rachel bereits dargestellt hat. Das fand ich besonders interessant, denn so konnte man die gleiche Situation aus zwei verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven erfahren. Was man aber auch ganz klar festhalten muss ist, dass keine der drei Frauen (genauso wie die Männer!) Sympathieträger sind. Dadurch fällt es einem schwer, sich mit ihnen zu identifizieren. Vor allem Rachel ist manchmal sehr schwer zu ertragen, da ihre Ausrutscher und ihr Verhalten einen immer wieder unangenehm berühren und ich mich teilweise sehr fremdgeschämt habe. Auf der anderen Seite tat sie mir aber auch so unsagbar Leid, denn ich weiß, das Alkoholsucht kein Zuckerschlecken ist. Überall wird man damit konfrontiert, überall lauert die Versuchung. Man muss selber unglaublich stark sein, so wie bei jeder Sucht und wenn man psychisch so labil ist wie Rachel, dann fällt es noch umso schwerer. Durch ihre Eskapaden bringt sie sich auch immer wieder in die Position, dass man sich vorstellen könnte, dass sie doch etwas mit dem Verschwinden von Megan zu tun haben könnte. Vor allem weil sie richtige Stalkertendenzen hat.

Wie schon gesagt, dieses Buch hatte eine unglaubliche Sogwirkung auf mich und von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung ^^

Falls ihr euch den Film auch demnächst einmal ansehen möchtet, hier ein kleiner Vorgeschmack.

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8 thoughts on “#Rezension – Girl on the Train (evtl. mit klitzekleinen Spoilern)

      1. Ich finde, von dem was du so berichtest, klingt das Buch ziemlich umfangreich und sehr verworren. So ähnlich wie „Gone Girl“. Da würde ich sehr interessant finden, wenn du einen Vergleich zu schreiben würdest, da du das Buch ja auch gut fandest🙂

        Gefällt 1 Person

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