#Filmbesprechung – Der Junge im gestreiften Pyjama

Vor etlichen Jahren habe ich das Buch zu diesem Film gelesen. Ich kann mich noch genau an meine Gefühle, als ich die letzte Seite aus gelesen hatte erinnern. Ich saß wie paralysiert da, konnte nichts mehr denken und war wie versteinert. Es hat lange gedauert, bis ich dieses Ende verwunden hatte. Es hat mich tief in mir drinnen erschüttert, weil es so unvorbereitet kam, weil es einfach so stark und aussagekräftig war. Gleichzeitig war es unendlich traurig und zerreißend. Ich habe danach wieder angefangen mich intensiver mit dem Thema 2. Weltkrieg zu befassen. Manchmal gerate ich in solch einen Strudel und dann lese ich tagelang nichts anderes. Ich lese alles was ich in die Finger kriegen kann und wenn ich mehr zu einem Thema wissen will recherchiere ich bis der Computer glüht. Mir geht es in der Zeit nicht gut, denn ich habe das Gefühl all die schlechten Gedanken, Gefühle, die unendliche Traurigkeit und Grausamkeit vollständig in mich aufzunehmen. Man hat das Gefühl das über einem ständig eine dunkle Wolke schwebt und man hätte verlernt zu lachen. Ich weiß nicht warum es manchmal passiert aber ich merke, dass ich jetzt wieder in so einem Strudel mich befinde. Und zwar seit dem Augenblick wo ich den Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ gesehen habe. Es war eher Zufall. Ich brauchte eine kleine Ablenkung von meiner Masterarbeit und habe ein bisschen herum gezappt.

Bildergebnis für der junge im gestreiften pyjama

Ich möchte niemandem die Geschichte des Films vorweg nehmen (vor allem nicht, wenn die Person das Buch noch nicht gelesen hat), denn wie bei dem Buch denke ich, dass man sich der Thematik selber nähern muss. Man muss unvorbereitet sich dem Film stellen, man muss alles selber spüren. Als ich das erste Mal Schmuel (der kleine jüdische Junge auf der anderen Seite des Zaunes) gesehen habe, sind die ersten Tränen gekommen. Ich habe diesen Junge schon im Buch so in mein Herz geschlossen. Er verkörpert so viel Kindlichkeit, die aber durch die Trauer, Folter und Verluste zu einem winzigen Krümelchen geschrumpft ist. Er ist blass und grau durch den Hunger, ausgemergelt und müde. Ich wollte ihm die ganze Zeit entgegen schreien „Es tut mir Leid, du wunderbarer kleiner Junge. Du wirst geliebt“. Auf der anderen Seite des Zaunes sitzt Bruno, so unerfahren, unbedarft, ferngehalten von all der Grausamkeit. Er hat keine Ahnung was Schmuel durchmachen muss, was sein Vater für Grausamkeiten mit ihnen anstellt. Wenn man Bruno sieht, wie er sich freut jeden Tag zum Zaun zu kommen, Schmuel zu sehen, mit ihm zu reden und auf der anderen Seite aber seinen Lehrer, seine Schwester und die Offiziere reden hört, wird einem ganz schlecht. Der Kontrast ist so groß, so widerwärtig.

Eine Szene, die mir auch lange im Kopf blieb war die, als seine Mutter von einem Einkauf Heim kommt und etwas pikiert die Nase kräuselt. Es scheint etwas streng zu riechen. Der Offizier der sie gefahren hat sagt ganz lapidar: „Ja, beim verbrennen stinken sie noch mehr!“. Seine Mutter fragt ganz erstaunt: „Wie bitte?“ und blickt dann zum Himmel. Sie sieht die graue Asche aus dem Schornstein steigen und plötzlich realisiert sie. Dieser Moment, wo man merkt, wie ihr alles klar wird, der ist so unglaublich intensiv. Man spürt förmlich, wie das Grauen sie packt und einem schnürt es die Kehle zu.

Dieser Film ist kein Kinderfilm, auch wenn Kinder die Hauptrolle spielen. Es ist ein Film, der einen noch lange gefangen hält und auch so schnell nicht wieder los lässt. Ich persönlich fand das Buch (geschrieben von John Boyne) noch ein weniger besser als den Film, auch wenn das Ende hier noch dramatischer und grausamer in Erinnerung bleibt als in meiner Fantasie.

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